Archive von Januar 2009

Noch ein Glückwunsch

Meine gute Freundin Z. wird im Alter von 45 Jahren noch zur Revolutionärin. Willkommen im Club! Die Gute ist eine bekannte Frau, sie gehört zum exklusiven Kreis der „Meinungsmacher“, aber wie sie ihre Kinder ernähren soll, ist ihr auch nicht immer klar. Die Zeitung, für die sie seit zwanzig Jahren ihre Artikel schreibt, steht nun womöglich vor der Pleite. …weiterlesen »

Ein Gerechter

Einen mutigen Professor gibt es in Deutschland, bitte, gratulieren wir ihm zu einer mutigen Tat. Er hat seinen Lehrstuhl geräumt, weil er Worte wie „Module“ und „Leistungsmerkmale“ und „Kreditpunkte“ nicht mehr hören kann. Ein Mensch! Einer, der gegen die Industrialisierung des Bewusstseins an den Universitäten protestiert, gegen die Austreibung des Geistes aus den Geistewissenschaften! …weiterlesen »

Gedicht in Stalins Sinn

Ich kenne keinen anderen Satz, der die inneren Widersprüche des Sozialismus ge- nauer beschreibt, als diesen vom Genossen Stalin: Der Hauptfeind ist stets dort, wo wir aufgehört haben zu kämpfen. Das Volk mordet sich selbst in seinem Grimm, wie Georg Büchner über die gleiche nachrevolutionäre Situation schreibt.
In seinem Gedicht „Menetekel“ zeigt Helmut Baierl, wie raffiniert der Feind kämpft:

„In unserem Hausflur hat einer
Eine Flasche zerschmissen. Warum
Hat er eine Flasche zerschmissen? …weiterlesen »

Dichterliebe (4)

- Ich sagte doch schon: Ich will eigentlich nicht. Außerdem: Ein Liebesroman, in dem wirklich geliebt wird, kann nur ein fantastischer Roman sein, ein Roman über Einbildungen. Denn bekanntlich sind Liebespaare nur deshalb glücklich, damit sie den Unglücklichen flirrende Beispiele zur Nachahmung geben. Das jedenfalls ist ihre Aufgabe. Die Population soll erhalten bleiben. …weiterlesen »

Vergleich der Aggressionspotentiale

Kulturabend in der UkraineUkraine / Russland – Deutschland
Aus Sicht der Verhaltensforschung sind die Ukraine und Russland die fried- licheren Länder, in denen weniger Gewaltkämpfe ausgetragen werden als in Deutschland. Das mag überraschen, da der Alltagsverstand das Gegenteil annimmt. Auch die Kriminalstatistik wird diesem Befund widersprechen. …weiterlesen »

Russische Lösung

Nachmittag Gespräch mit S. und T. über die Finanzkrise. S. sprach vor wenigen Tagen in New York mit Vizepräsident der XYZ-Bank. Tenor: Alle sehen nur eine schwarze Wand. Alle zittern, allen gruselt.
S. gehört zu den Menschen, die kein abstraktes Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge brauchen, um viel zu verstehen, …weiterlesen »

Dichterliebe (3)

- Du Armer, du tust mir leid.
- Nein, Mitleid ist nicht nötig, ich werde ja reich beschenkt.
- Unheimlich reich.
- So ist es nun einmal. Es ist traurig, oder?
- Ach, ja.
- Sag die Wahrheit. Was denkst du? …weiterlesen »

Dichterliebe (2)

- Es ist aber so.
- Und in welchem Rhythmus machst du das?
- Ich weiß nicht. Ich achte nicht auf die Zeit. Wahrscheinlich acht Stunden am Tag.
- Wie oft lüftest du dein Zimmer?
- Nicht oft genug. …weiterlesen »

Dichterliebe (1)

- Der Mond scheint, die Sonne auch, es fallen Eiskörner vom Himmel, dann regnet es Erdbeeren. Jeder kennt das Gefühl: Es ist alles so verrückt, wie es sein soll, aber wie es nur dreimal im Leben passiert. Und Montaigne kommt einem in den Sinn: Wer die Wahrheit verrät, verrät auch die Lüge! Und Kaspar, der Waldmensch, fragt nicht mehr: Bin ich ein Frosch, sondern: Bin ich eine Prinzessin? – …weiterlesen »

Thesen

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise wird nicht 10–20 Monate, sondern 10–20 Jahre anhalten. „Realität wird wieder möglich“, aber in einer bitteren Weise. Politik hingegen wird, ergänzt durch die Wirklichkeit, Parodie bleiben (deshalb die Ähnlichkeit Obamas mit Gorbatschov). Das Kapital entfaltet nach seiner globalen Deterritorialisierung und elektronischen Vernetzung nicht mehr nur in flüssiger Form, sondern mittlerweile auch in gasförmiger, horrende Wirkungen. Vergegenständlichung wird für sich selbst zur Gefahr (u.a. wegen Ressourcenknappheit). …weiterlesen »

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