Wieder in Saratov (3)

Luxus, fiel mir unterwegs ein, ist die Möglichkeit, etwas verschenken und auf etwas verzichten zu können. Ich kann nur im Luxus leben, nur mit innerer Großzügigkeit, etwas muss ich verschwenden, und sei es Zeit oder mein Talent, deshalb habe ich in den letzten zwei Jahren an keinem Roman mehr geschrieben.

Ein grausames Geschenk, das ich mir damit machte, aber ein anderes hatte ich nicht, welches mich befriedigt hätte. Und es war nicht so grausam wie das Verbren- nen der zweitausend Seiten Tagebücher aus meiner Kindheit.

S. erzählte, T.Harlan habe nach dem Anhören von No gesagt, ich verharre im Schmerz. Ja doch, sicher, natürlich, was denn sonnst, aber er schaut mit dem Fernglas auf mich, ich mit dem Mikroskop. Immerhin, sein Urteil zählt, da auch er sich von seiner klebrigen Herkunft lösen musste. Er wurde gefoltert (auf Haiti), aber nur drei Tage, ich sieben Jahre.

Das Fahrradfahren bringt mich den Leidenden näher, es ist Askese und Rausch und zweifellos ein religiöser Akt. Ganz gegen meine Absicht werde ich zum Friedensboten, bringe Glück und Hoffnung, werde Figur in Anekdoten. (Wenn der das kann …)

Wir, die wir namenlos leben, kommen nur durch, indem wir uns beschenken. Die Armen können es sich nicht leisten, im Kapitalismus zu leben, sie müssen das ethisch Feinere, den Potlatsch, pflegen.

Wie ekelt es mich hingegen, wenn ich lese, die deutsche Regierungschefin habe gesagt, Deutschland werde gestärkt aus der Krise hervorgehen. Mit höheren Schulden und auf Kosten solcher Länder wie der Ukraine

Themen: Tour de Wolga

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