Das Glueck

Ich kann nachts nicht schlafen, es ist zu heiss und ich bin zu gluecklich. Dabei ist Glueck das vielleicht einzige Wort, fuer dessen Verwendung ich mich schaeme. Glueck – das klingt so maedchenhaft. „Gluecklich sein heisst schlaefrig sein im Mund der Knechte“. Wer gluecklich ist, denkt und kaempft nicht, und beides macht doch mein Wesen aus. Doch das So-gestimmt-Sein muss ja nicht immer so bleiben. Die Weigerung, gluecklich zu sein, sichert zwar die Produktivitaet, den Reichtum der Gedanken, doch sie ermuedet auch. Und muede war ich lange genug und werde ich in Berlin wieder sein.

Das kleine Glueck ist schnell erreichbar: man muss nur aufs Essen und Trinken oder auf Schlaf verzichten oder ein gutes Buch lesen, schon entstehen Beduerfnisse, die befriedigt werden wollen; man kann sich durch Verzicht gluecklich stimmen.
Doch das anhaltende Glueck bedarf der grossen Spannung.

Themen: Tour de Wolga

Ein Kommentar to “Das Glueck”

  1. Nadja schreibt:
    12th.August 2010 um 08:28

    Glück durch Verzicht! Sehr schön, es ist ein Weg der Yoga-Meister. Da kann man sich auf Knopfdruck jederzeit Glück organisieren. Ausnahmsweise ist es keine Ironie, ich schreibe das im Ernst.

Kommentare

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