Klare Worte über Europa und zur Ukraine

Die Ukraine habe ein Recht auf die Vollmitgliedschaft in der EU, sagte Günther Verheugen im Interview mit „Deutschlandradio Kultur“. 

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Der Ukraine-Politik der EU erteilt der ehemalige EU-Kommissar und heutige Professor die schlechteste Note: „Mangelhaft, setzen!“
Zitat: „Wir tun immer so, als gehöre die europäische Einigung uns, als sei sie exklusives Eigentum der Mitgliedstaaten der EU, das ist absolut falsch, die Idee der europäischen Einheit gehört allen europäischen Völkern gemeinsam, ohne jede Ausnahme. Auch den Russen.“ (ab 3’30)
Genauso ist es. Man könnte mit Michail Gorbatschow vom „Gemeinsamen Haus Europa“ sprechen oder von Putins Vorschlag einer Freihandelszone von Wladiwostok bis Lissabon.

Die Häme in den deutschen Medien über die ukrainischen Freiheitskämpfer hat etwas nachgelassen, sie werden nicht mehr in allen Reportagen pauschal als Nationalisten und Radikale beschimpft. Die Janukowytsch-Propaganda wird nicht mehr ungefragt übernommen.
Gestern erschien in der FAZ ein sehr guter Artikel über die „para-militärischen Banden“ vom Majdan. Konrad Schuller hat gehandelt, wie es Journalisten tun sollten: Er hat mit den Leuten geredet, über die er schrieb.
In dem Bericht wird plastisch dargestellt, wie man einen gewaltsamen Aufstand organisiert. Natürlich einen gewaltsamen. Man kann diese brutale Staatsmacht des Präsidente Janukowytsch nicht mit Blümchen in den Händen besiegen. Sie wendet Gewalt an, man muss ihr mit Gewalt antworten, solange, bis sie zurücktritt.  Gewalt ist die Lösung. Man mag das bedauern, aber man sollte es verstehen.

Eine andere Form der Häme unter Deutschen ist sklavischer Natur: „Warum regen sich die Ukrainer auf, wenn sie neue Überwachungsgesetze bekommen und von Polzisten zusammengeschlagen werden? Das passiert doch im Westen auch! Willkommen in Europa!“
„Es wäre interessant, das Demonstrationsrecht der Ukraine mit dem in Deutschland z.B. zu vergleichen“, schreibt ein Benutzer bei „ZEIT-ONLINE“. „Dann könnte sich der interessierte Leser ein Bild über die Rechtslage und die Aktionen der Beteiligten machen.“

Ja, das wäre sehr interessant. Aber die Polemik, „die kriegen doch nur, was wir schon haben“, ist dennoch dumm.
Die Ukrainer wollten ein Handelsabkommen mit EU, aber keine Überwachungsgesetze übernehmen, gleich welcher Herkunft, ob westlicher oder russischer. Es hat sich in Westeuropa vielleicht noch nicht herumgesprochen, aber die Ukrainer sind ein sehr freiheitsliebendes, stolzes Volk.
Freiheit heißt: Die Kontrolle des Alltags durch den Staat war bisher so gering wie in kaum einem anderen Land Europas. Und die meisten Ukrainer wünschen, dass das so bleibt. Sie wollen keine Westeuropäer werden. Man kann aber von ihrem Freiheitsbegriff etwas lernen.
Die disziplinierenden Gesetze sind übrigens wörtlich aus dem Russischen kopiert worden, nur die Strafen wurden schärfer gefasst als in Russland.

Und die Faschisten sind in Kiew schon an der Macht. Auf der Facebook-Seite „Berkut-Ukraine“, der Sondereinheit des Präsidenten, wird so starke anti-semitische Propaganda betrieben, dass schon am 23. Dezember 2013 die Organisation „Ukrainischer unabhängiger Rat jüdischer Frauen“ in einem offenen Brief an den Präsidenten dagegen protestierte – siehe „Ukraine-Nachrichten„.

 

Themen: Politik und Gesellschaft

4 Kommentare to “Klare Worte über Europa und zur Ukraine”

  1. Jensinski schreibt:
    25th.Januar 2014 um 15:32

    Molodjez! 🙂

  2. Honigdachs schreibt:
    25th.Januar 2014 um 16:48

    Spasibo. Wie ich es von Anfang an sagte: EU-Politiker, Putin, Janukowytsch, sie spielen alle mit gezinkten Karten – allerdings ist es für das ukrainische Volk kein Spiel, sondern kann sich zu einer Tragödie auswachsen.

  3. ein HartzIV-Opfer schreibt:
    25th.Januar 2014 um 18:25

    In der Ukraine gibt es ein zweifellos größeres Ungleichgewicht zwischen den Preisen und dem Einkommen der Durchschnittsbürger. Auch sind die Sozialleistungen wesentlich niedriger als in der EU. Was die Rechtssicherheit anbelangt, konnte man sich bisher nur auf die Korruption verlassen. Wir in Deutschland haben zwar das aufgezwungene Terrornetzwerk „HartzIV“ mit seinen sozialfaschistischen Auswüchsen, aber dennoch keinen direkten Anlass, bei Minus 15 Grad gegen Wasserwerfer und Polizeikugeln auf die Straße zu gehen. Das Optimum an Gerechtigkeit haben wir u. a. deshalb hierzulande noch lange nicht erreicht. Nach meiner Meinung fehlt es den Machthabern im Osten wie im Westen am Mut zur Wahrheit, zu sich selbst und zur Bevölkerung. Kernfragen zum würdigen Leben jedes einzelnen Menschen, zum vernünftigen Umgang mit der Umwelt und zum friedlichen Miteinander, werden oberflächlich und machtpolitisch behandelt. Welche Lebensqualität existiert bei täglichem Existenzkampf? Mit „DDR-Löhnen“ kann man keine EU-Preise bezahlen!!!

  4. Honigdachs schreibt:
    4th.Februar 2014 um 20:15

    „Terrornetzwerk-HartzIV mit seinen sozialfaschistischen Auswüchsen“?
    Man kann auch übertreiben …

Kommentare

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