Honigdachs am 31. Juli 2010 in Literatur
So lange ich sterben will, lebe ich.
Honigdachs am 31. Juli 2010 in Literatur
Wenn die Bilder, die sich Menschen voneinander machen, bloss nicht so karg waeren, so aermlich, so verbiestert! Die schlichte Tatsache, dass jeder Mensch einmalig ist, haelt der Verstand kaum aus.
Seit der Faden der Weisheit nicht mehr an die Sterne geknuepft ist und im anderen nicht mehr goettliche Prinzipien geachtet werden, seit der Koerper Material ist und das Ich Kosten-Nutzen-Erwaegungen unterliegt, seit das Profane das Hackebeil sausen laesst und die Sonne der Folter auf alle Kontinente scheint, soll das Glueck im Funktionieren bestehen. weiterlesen »
Honigdachs am 31. Juli 2010 in Literatur
Hephaistos betritt das Klassenzimmer. Er haelt die rechte Hand vor die Brust und atmet roechelnd.
“Wie koennt Ihr in geschlossenen Raeumen etwas lernen? Sitzend zumal? Das widerspricht der Natur, aber die leugnet Ihr ja beharrlich. Ich sehe keinen Wein auf den Tischen. Ihr duerft traeumen und schweigen, wann immer Ihr wollt. Wer es jedoch wagt, mir in die Augen zu sehen, bekommt das hier zu spueren.” weiterlesen »
Honigdachs am 31. Juli 2010 in Literatur
Erste Gewissensfrage: Soll Hephaistos hinken? Hinkt er, so klingt es nach einem Klischee. Man erfaehrt das, was man erwartet hat. Hinkt er nicht, koennte man fragen: Ist es Hephaistos? Dialektische Antwort: Es muss nicht gesagt werden, ob er hinkt. Soll sich doch der Leser den Hephaistos vorstellen, den er sich wuenscht oder vor dem er sich fuerchtet. weiterlesen »
Honigdachs am 30. Juli 2010 in Literatur
Mein Leben ist so beispielhaft, dass ich nur kichern kann, wenn ich darueber nachdenke. Die Welt der Erwachsenen habe ich frueh schon als feige und verlogen kennengelernt (“Mich erzog der Wohllaut des saeuselnden Hains / Und lieben lernt ich unter den Blumen“). Der Klassenlehrer, ein Verraeter aus dem Westen, weiterlesen »
Honigdachs am 29. Juli 2010 in Literatur
Spannung und Harmonie sind wesensverwandte Attribute. Gelungene Harmonie ist gelungene Spannung und umgekehrt. Wenn der Vorhang sich oeffnet und mit dem ersten Satz der Reigen beginnt, tritt die Erwartung ins Spiel, die gnadenlos bedient werden will. weiterlesen »
Honigdachs am 29. Juli 2010 in Literatur
Ich muss unbedingt nach Moskau (zu Fuss, auf allen Vieren, oder wie auch immer). Dort gibt es jetzt eine Metrostation, die Fjodor Michailiovitsh Dostojevskij gewidmet wurde! Und wie gewidmet! Mit, wie Kerstin Hom in der FAZ schreibt, “Steinfresken im Stil russischer Ikonenmalerei” oder, wie es etwas verschaemt am Ende des Artikels heisst, mit Mosaiken, ueber deren Demontage der Metrodirektor Gajew bereits nachgedacht hat. weiterlesen »
Honigdachs am 28. Juli 2010 in Literatur
Das Lauern beim Schreiben: Die gewaehlte Perspekive traegt, aber wie lange? Wie ergiebig ist sie, wann wird sie eintoenig? Kunst darf nicht langweilen, das ist das einzige Verbot, das immer gilt.
Die Perspektive ist eine Subjekt-Subjekt-Beziehung, auch wenn das Subjekt ein Objekt betrachtet, also einen Stein, ein Haus oder eine Landschaft. Der Sprechende / Denkende hoert sich selbst. weiterlesen »
Honigdachs am 28. Juli 2010 in Literatur
Der Bursche beeindruckt mich. Er verspricht das zu werden, was er werden soll – komplex. Er ist der Seher, der verkannte, der ueber das Verkanntwerden lacht. Er steht fuer die Vergeblichkeit des Schoenen in einer haesslichen Welt. Er ist wolluestig, scharfsinnig, amoralisch auf den ersten und zweiten Blick, weiterlesen »
Honigdachs am 27. Juli 2010 in Literatur