Der Regisseur, der mich neulich auf der Party so herzlich umgarnt hat und mit mir als Szenarist den Film seines Lebens drehen wollte, ist am vergangenen Sonnabend im Schlaf ermordet worden. weiterlesen »
Honigdachs am 07. September 2010 in Tour de Wolga
Man raucht und trinkt und spielt Musik. Ein Filmregisseur spricht unaufhoerlich. “Das ist ein Gespraech unter Kuenstlern”, mit diesen Worten wehrt er alle Versuche ab, seinen Redefluss zu unterbrechen. Er hetzt von Thema zu Thema und verhandelt die grossen Fragen. Die Deutschen frueher, die Deutschen heute. Moderne Legenden, moderne Dummheit. Die Gesundheit als kranke Idee. Der besondere Gast und sein Schicksal. weiterlesen »
Honigdachs am 16. August 2010 in Tour de Wolga
Ich sitze im Zentrum von Poltava in einem Strassencafe, lese Auszuege aus Kafkas Tagebuechern und einen Artikel des Schriftstellers Juri Andruchowytsch, der vom Tyrannenmord traeumt, u.a. weil in der Ukraine neuerdings Steuerfahnder auch Privatwohnungen durchsuchen duerfen, was in Deutschland schon lange geltendes Recht ist.* weiterlesen »
Honigdachs am 13. August 2010 in Tour de Wolga
Ich habe mich inzwischen nach Poltava durchgekaempft, in die Gogol-Stadt. Ich bin erst 5000 km gefahren, an 34 Tagen. Eigentlich wollte ich noch auf die Krim, aber es ist mir zu heiss, so bleibe ich vorerst hier und schreibe, derzeit an drei Prosamanuskripten. weiterlesen »
Honigdachs am 12. August 2010 in Tour de Wolga
Die meisten der Handlungen, denen ich mich in Deutschland gleich nach meiner Rueckkehr voller Eifer widmen werde, lassen sich unter der Formel zusammenfassen: nervtoetender Quatsch.
Erste Aufgabe: Steuererklaerung abgeben. Das Finanzamt droht schon, man werde “mich schaetzen”, d.h. fantasievolle Einnahmen festlegen, fuer die ich dann Steuern zahlen soll. weiterlesen »
Honigdachs am 11. August 2010 in Tour de Wolga
Ich kann nachts nicht schlafen, es ist zu heiss und ich bin zu gluecklich. Dabei ist Glueck das vielleicht einzige Wort, fuer dessen Verwendung ich mich schaeme. Glueck – das klingt so maedchenhaft. “Gluecklich sein heisst schlaefrig sein im Mund der Knechte”. Wer gluecklich ist, denkt und kaempft nicht, und beides macht doch mein Wesen aus. Doch das So-gestimmt-Sein muss ja nicht immer so bleiben. Die Weigerung, gluecklich zu sein, sichert zwar die Produktivitaet, den Reichtum der Gedanken, doch sie ermuedet auch. Und muede war ich lange genug und werde ich in Berlin wieder sein. weiterlesen »
Honigdachs am 11. August 2010 in Tour de Wolga
Seit Wochen Temperaturen zwischen 35 – 40 Grad im Schatten. Aber man haelt sich ja auch in der Sonne auf, und da sind es schnell mal zehn oder zwanzig Grad mehr. Manche meiner Freunde messen 46 Grad im Schatten und teilen mir diese Neuigkeiten per SMS mit. weiterlesen »
Honigdachs am 03. August 2010 in Tour de Wolga
Eine hohe Ehre widerfaehrt mir: Ich werde eingeladen, die Bestrafung eines Diebes zu erleben. Mein Freund Volodja* fragt: “Du willst doch die kriminelle Welt erforschen? Heute lade ich dich ein. Dort triffst du Leute, die schneller klauen als du denken kannst.”
Das ist nun wirklich eine Wette wert. weiterlesen »
Honigdachs am 31. Juli 2010 in Tour de Wolga
Die letzte Pruefung an diesem Tag: um einen ruhigen Schlafplatz zu finden, muss ich noch einen Berg hoch, der ist steil, liegt in der Abendsonne, d.h. das kalt gekaufte Bier wird sich erwaermen. Die Steigung schaetze ich auf 12 – 15%, ich fahre in Serpentinen, absteigen will ich nicht. 170 km am heutigen Tag, so werde ich morgen wohl zu einer freundlichen Zeit am Don eintreffen und mich bei Fjodor und Sina in der kuehlen Stube auf die Couch legen koennen. weiterlesen »
Honigdachs am 29. Juli 2010 in Tour de Wolga