Archive von Dezember 2008

Heilige und heilige Krieger

Angenehme Arbeit zum Jahresende: Die schönsten Bushaltestellen Russlands und der Ukraine für die Veröffentlichung des Buches „Auf einem blauen Elefanten“ auszusuchen. In zwei Monaten wird das Buch erscheinen; vier- undzwanzig farbige Seiten mit Mosaiken soll es geben. Die Auswahl ist groß, aus mehr als eintausend „mit dem Fahrrad erstrampelten“ Motiven kann ich wählen, die Vorschläge des Verlegers ergänzen, variieren. – …weiterlesen »

Poka

Ich hab keine Lust. Mein Geist, so ich einen habe, ist schon in den Weihnachtsferien. Neudeutsch: Mein Kopf, diese Mülltrennungsanlage, muss sich regenerieren. Anlass für Besinnung gibt’s ausreichend. – Was tun im nächsten Jahr? Weiter im Internet, diesem suchterzeugenden und ausbeuterischen Medium, veröffentlichen? In den Altai laufen oder so weiterleben wie bisher? Hölderlin hat es richtig gemacht, der hat nur im Gehen geschrieben. („Zu lang, zu lang schon ist / die Ehre der Himm- lischen unsichtbar“). Er trug festes Schuhwerk, man hört es. …weiterlesen »

„Noch 12 km bis Aleksejevskaja“

Die Kindsköpfe bringen die Literatur voran: Gogol, Kleist, Poe, Hölderlin, Rimbaud, Flaubert, Jules Verne, Strindberg, Hamsun, Charms, Majakovski, Babel, Karl Valen- tin, Celan, Beckett, Faulkner, Thomas Bernhard, Thomas Pynchon. Parkettsichere und muskulöse Herrenreiter hingegen sind selten Revolutionäre der Form (Goethe, Turgenjev, Victor Hugo, Maxim Gorki, Thomas Mann, Stephan Hermlin, Günter Grass). …weiterlesen »

Der Schein als Mosaik

Dieses schöne Bild stinkt, es steht auf morastigem Boden, niemand streichelt es. Es hat keinen ökonomischen Wert, und seinen ursprünglichen Zweck – „den Frohsinn der Bauern und der Werktätigen zu stärken“ – kann es nur noch selten erfüllen, denn in der Ukraine hat der Busverkehr auf dem Lande stark nachgelassen. Das Bild kann auch nicht verbrennen, es kann keine Wohnstube wärmen. Es kann Ameisen nicht als Nahrung dienen, doch als Versteck.

Hoppla, wieder zurück!

„Hättest du nicht gegen die Deutschen gewonnen, könnte ich heute bayeri- sches Bier trinken!“ / Wir haben die Heimat verteidigt und Gerechtigkeit für alle angestrebt, das kann doch nicht schlecht gewesen sein / Wir wussten wofür wir leben: Fürs Sterben …weiterlesen »

Früchte

Skelki, am Nikopolschen Meer. Paradiesisch: fast immer bekomme ich die Früchte geschenkt, die ich kaufen möchte. Sowohl hier in Skelki in der südöstlichen Ukraine, als auch in Russland, nördlich von Rostov-na-Donu, in Artschedinskaja, wo jener freundliche Verkäufer mir sechs Uhr morgens eine kühle Melone reicht. …weiterlesen »

Aerodrom

Weil es so schön war, gleich noch einige Bushaltestellen aus der tapferen Ukraine. Aerodrom, also Flugplatz, bei Kremenchug. Zauberhaft, oder? Die Grillen sind begeistert. Wetten, dass die Mosaikleger von ihren Renten nicht leben können? Und dennoch hinterlassen sie Spuren, die dauerhafter sind als Gesetzestexte und moralische Werte. Das tröstet. …weiterlesen »

 

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