Monatsarchiv für Dezember 2008

Macht und Geist

Jossip Wissiarionovitsch Stalin, genannt Kamerad Koba, der soeben (Dezember 2008) im russischen Fernsehen von den Zuschauern zum drittgrößten Helden der russischen Geschichte gewählt wurde, ließ, so berichtet Michail Schostakovitsch in seinen Memoiren, blinde Markterzähler zu einem landesweiten Erzählerwettbewerb einladen, sie in Scheunen sperren und verbrennen. Zumindest im metaphorischen Sinne ist diese Episode historisch verbürgt. Die blinden Erzähler konnten nicht zensiert werden, im Gegensatz zu den Zeitungen. Auch das Hören konnte man ihnen nicht verbieten. Mit ihnen wurden die mündlichen Gedächtnisse vieler Völker ausgelöscht. weiterlesen »

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Honigdachs am 30. Dezember 2008 in Zeitgeschehen

Ehre für einen Dichter

Gorki, der Bittere, hier in einer Landschaft nahe Poltava, Ukraine. Also in der ruhmreichen Sowjetunion. Ob der Künstler, der diese Fratze schuf, etwas von Gorki gelesen hatte? Gorki als Narr? Ich bin der erste Clown im kommunistischen Früh- ling? Dann war Heiner Müller Gorkis Nachfolger; auch, weil er aufblasbare Denk- mäler vorschlug. weiterlesen »

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Honigdachs am 30. Dezember 2008 in Tour de Wolga

Bolschevistisches Tempo. Gedanken beim Rasieren

Es ist so komisch, in der freien Marktwirtschaft den Beruf des Schriftstellers auszuüben. Einerseits ist man ja Mitglied einer demokratischen Gesellschaft, also dem Gemeinwesen unentrinnbar verpflichtet, ob man will oder nicht. weiterlesen »

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Honigdachs am 29. Dezember 2008 in Literatur

Der Affe Rotpeter spielt Nintendo

Lese das Internet-Journal eines Autors, den ich flüchtig kenne und schätze. Er schreibt unter anderem öffentlich Tagebuch, im Stil von „Heute bin ich 6 Uhr aufgestanden, habe dies und das gelesen, diese und jene Musik gehört, auch (berühmte) Freunde getroffen“. Jeder tastet sich auf seine Weise ins neue Medium. weiterlesen »

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Honigdachs am 29. Dezember 2008 in Zeitgeschehen

Heilige und heilige Krieger

Angenehme Arbeit zum Jahresende: Die schönsten Bushaltestellen Russlands und der Ukraine für die Veröffentlichung des Buches “Auf einem blauen Elefanten” auszusuchen. In zwei Monaten wird das Buch erscheinen; vier- undzwanzig farbige Seiten mit Mosaiken soll es geben. Die Auswahl ist groß, aus mehr als eintausend “mit dem Fahrrad erstrampelten” Motiven kann ich wählen, die Vorschläge des Verlegers ergänzen, variieren. – weiterlesen »

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Honigdachs am 28. Dezember 2008 in Bus Mosaik UA - RU

Poka

Ich hab keine Lust. Mein Geist, so ich einen habe, ist schon in den Weihnachtsferien. Neudeutsch: Mein Kopf, diese Mülltrennungsanlage, muss sich regenerieren. Anlass für Besinnung gibt’s ausreichend. – Was tun im nächsten Jahr? Weiter im Internet, diesem suchterzeugenden und ausbeuterischen Medium, veröffentlichen? In den Altai laufen oder so weiterleben wie bisher? Hölderlin hat es richtig gemacht, der hat nur im Gehen geschrieben. („Zu lang, zu lang schon ist / die Ehre der Himm- lischen unsichtbar”). Er trug festes Schuhwerk, man hört es. weiterlesen »

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Honigdachs am 17. Dezember 2008 in Tour de Wolga

Bolschevistisches Tempo

Wie kam eigentlich dieses Foto zustande? Mit der linken Hand den Fahrrad- lenker gehalten, rechts mal so nebenbei auf den Auslöser gedrückt, nebenbei noch kräftig auf die Pedalen getreten? Wahrscheinlich so, ja. – Fotografieren ist leichter als schreiben. Auch wenn mich meine Fotografen-Freunde dafür prügeln werden, aber so ist es. weiterlesen »

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Honigdachs am 16. Dezember 2008 in Tour de Wolga

Preisfrage

Gestern war ein großer Tag – Peter Urban erhielt den Turgenjev-Preis! Herzlichen Glückwunsch! Natürlich eilte ich in das Literaturhaus, um der Ehrung des Meisters beizuwohnen. Auch in der Literatur gibt es zehn Gerechte, und er ist sicher einer von ihnen. Seine letzte beeindruckende Tat: die, selbst in Russland unbekannten, Blockade-Gedichte Gennadi Gors zu entdecken, zu übersetzen, herauszugeben. – Beim anschließenden Festessen zeigte ich meine Bushaltestellen-Fotos. Natürlich erkann- ten alle slavistischen Kapazitäten, welche Figur aus Scholochovs Roman “Der stille Don” hier an dem Wartehäuschen bei Borissovski, im Volgogradskaja Oblast, darge- stellt wird. Erkennen Sie es auch? weiterlesen »

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Honigdachs am 15. Dezember 2008 in Bus Mosaik UA - RU, Literatur

Geschenke für alle

Ein Griff in die Schatztruhe, was finden wir da? Störche. Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Storch-Figuren in der Ukraine und in Russland kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Na, wie geht’s weiter? Sie sind Zeugnisse des Eigensinns. Oder was? Der Mann mit Storch (s.o.) scheint mit seiner anti-zivilisatorischen Hal- tung so manchen Zeitgenossen aus der Seele zu sprechen. Hinter dem Horizont geht’s nicht mehr weiter, darüber ist jemand froh. weiterlesen »

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Honigdachs am 14. Dezember 2008 in Tour de Wolga

So muss es sein

Klar, jetzt bekommt der Finanzminister die Hiebe. Wer war eigentlich unter Stresemann Finanzminister? Und wie hieß der diesbezügliche Rechenakrobat in der DDR? Politikernamen haben ein rasches Verfalls- datum.

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Honigdachs am 13. Dezember 2008 in KRISE