Tour de Wolga

Bolschevistisches Tempo

Wie kam eigentlich dieses Foto zustande? Mit der linken Hand den Fahrrad- lenker gehalten, rechts mal so nebenbei auf den Auslöser gedrückt, nebenbei noch kräftig auf die Pedalen getreten? Wahrscheinlich so, ja. – Fotografieren ist leichter als schreiben. Auch wenn mich meine Fotografen-Freunde dafür prügeln werden, aber so ist es. …weiterlesen »

Geschenke für alle

Ein Griff in die Schatztruhe, was finden wir da? Störche. Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Storch-Figuren in der Ukraine und in Russland kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Na, wie geht’s weiter? Sie sind Zeugnisse des Eigensinns. Oder was? Der Mann mit Storch (s.o.) scheint mit seiner anti-zivilisatorischen Hal- tung so manchen Zeitgenossen aus der Seele zu sprechen. Hinter dem Horizont geht’s nicht mehr weiter, darüber ist jemand froh. …weiterlesen »

Hoppla, wieder zurück!

„Hättest du nicht gegen die Deutschen gewonnen, könnte ich heute bayeri- sches Bier trinken!” / Wir haben die Heimat verteidigt und Gerechtigkeit für alle angestrebt, das kann doch nicht schlecht gewesen sein / Wir wussten wofür wir leben: Fürs Sterben …weiterlesen »

Flaubert und die Folgen (2)

Ein brillantes Beispiel für das, was Kritik kann: Hans Mayers Studie über „Madame Bovary“. Die Gute kommt mit ihren Träumen zu spät und wurde gleichzeitig zu früh geboren, sie gehört also zu den Menschen, die eine Epoche dadurch bereichern, dass sie nicht in sie passen. Der Adel karikiert sich selbst mit seiner Lebensweise, auch Tanzen und Lächeln kann anstrengende Arbeit sein; und die Illustriertenwelt ist noch keine Massenkultur, keine Fernseh- kamera kann ihr schönes Gesicht abbilden. Verkannt, ohne besondere Fähigkeiten, die Grabinschrift einer modernen Frau. (Ein anderes letztes Wort: Biederkeit war ihre Tugend.) …weiterlesen »

Horizonte

Ein Horizont wie mit dem Rasiermesser gezogen, zwischen Rivnje und Ljubar in der zentralen Ukraine. Und der Traktorist, der dieses Feld gepflügt hat, war nicht betrunken. Je länger ich den Verlauf der Furchen betrachte, desto un- heimlicher erscheint mir die Arbeit dieses Menschen. Vielleicht wollte er den Krähen zeigen, dass man ein Feld auch kratzen kann, schwungvoll wie ein Barbier und dicht am Kehlkopf vorbei. …weiterlesen »

Versteckter Gedanke

Ich kam aus Chernivtsi, die ukrainisch-rumänische Grenze lag etwa vierzig Kilometer südlich. Holzkirchen dieser Größe und Schönheit hatte ich noch nie gesehen. Zwei dieser Kirchen sah ich an diesem Tag, keine fotografierte ich. Das Licht war zu schlecht, es regnete viel zu heftig, ich musste gegen die Fluten, die von oben und unten kamen, ankämpfen. Am nächsten Vormittag schien wieder die Sonne, und in Vorochta stand jenes freundliche Gotteshaus. 30.07.2008 …weiterlesen »

Hingucken

Die Kamera sieht eben doch etwas anderes als das Auge. Eigentlich fand ich das Fest der Galuschki, der Mehlklößchen, ziemlich langweilig. An einigen Ständen wurde etwas gekocht, an einigen andere Ständen etwas verkauft, zwischendurch sangen Trachtengruppen. Ansonsten betrachteten Spazier- gänger Spaziergänger.
Besondere Momente gibt es aber in fast jeder alltäglichen Handlung – das meinte Isaak Babel als er schrieb, er traue sich zu, eine Erzählung über das Wäscheaufhängen in der Prosa von Julius Cäsar zu schreiben. …weiterlesen »

Mein Freund, der Traktorist

Als Radfahrer fühle ich mich rundherum vollständig. Die praktischen Fragen (Schlafplatz, Trinkwasser, Essen, Revierkämpfe mit verwilderten Hunden und Maulwürfen) lösen sich irgendwie nebenbei. Verdursten kann ich nicht, mehr als vierzig Kilometer sind es selten von Dorf zu Dorf.
Sehr nützlich war die Erfahrung im Wolga-Don-Becken, …weiterlesen »

Flutkatastrophe

Ich denke immer noch an gestern.* Vor Verchovyna war ein Teil der Straße von den Fluten fortgespült worden. Ich fragte den Einsatzleiter der Katastro- phenhilfe, ob es möglich sei, mit dem Fahrrad weiter zu kommen. Er, nach einigem Zögern: Möglich sei das wohl. Aber müssen Sie denn weiter? Es ist sehr wichtig? – Natürlich! Ich zweifelte nicht eine Sekunde. …weiterlesen »

Als Gast

Ich fahre durch ein Dorf, da fällt mir eine Wasserflasche vom Gepäckträger. Der Knall ist ziemlich laut, hinter dem nächsten Gartenzaun bellen wütend zwei Hunde. Der Haus- und Hundebesitzer kommt angelaufen, fragt, was passiert sei. Er sieht, dass in der Wasserflasche ein Loch ist, läuft augen- blicklich ins Haus, holt eine neue Flasche und schenkt sie mir. …weiterlesen »

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