Tour de Wolga

Versteckter Gedanke

Ich kam aus Chernivtsi, die ukrainisch-rumänische Grenze lag etwa vierzig Kilometer südlich. Holzkirchen dieser Größe und Schönheit hatte ich noch nie gesehen. Zwei dieser Kirchen sah ich an diesem Tag, keine fotografierte ich. Das Licht war zu schlecht, es regnete viel zu heftig, ich musste gegen die Fluten, die von oben und unten kamen, ankämpfen. Am nächsten Vormittag schien wieder die Sonne, und in Vorochta stand jenes freundliche Gotteshaus. 30.07.2008 …weiterlesen »

Hingucken

Die Kamera sieht eben doch etwas anderes als das Auge. Eigentlich fand ich das Fest der Galuschki, der Mehlklößchen, ziemlich langweilig. An einigen Ständen wurde etwas gekocht, an einigen andere Ständen etwas verkauft, zwischendurch sangen Trachtengruppen. Ansonsten betrachteten Spazier- gänger Spaziergänger.
Besondere Momente gibt es aber in fast jeder alltäglichen Handlung – das meinte Isaak Babel als er schrieb, er traue sich zu, eine Erzählung über das Wäscheaufhängen in der Prosa von Julius Cäsar zu schreiben. …weiterlesen »

Mein Freund, der Traktorist

Als Radfahrer fühle ich mich rundherum vollständig. Die praktischen Fragen (Schlafplatz, Trinkwasser, Essen, Revierkämpfe mit verwilderten Hunden und Maulwürfen) lösen sich irgendwie nebenbei. Verdursten kann ich nicht, mehr als vierzig Kilometer sind es selten von Dorf zu Dorf.
Sehr nützlich war die Erfahrung im Wolga-Don-Becken, …weiterlesen »

Flutkatastrophe

Ich denke immer noch an gestern.* Vor Verchovyna war ein Teil der Straße von den Fluten fortgespült worden. Ich fragte den Einsatzleiter der Katastro- phenhilfe, ob es möglich sei, mit dem Fahrrad weiter zu kommen. Er, nach einigem Zögern: Möglich sei das wohl. Aber müssen Sie denn weiter? Es ist sehr wichtig? – Natürlich! Ich zweifelte nicht eine Sekunde. …weiterlesen »

Als Gast

Ich fahre durch ein Dorf, da fällt mir eine Wasserflasche vom Gepäckträger. Der Knall ist ziemlich laut, hinter dem nächsten Gartenzaun bellen wütend zwei Hunde. Der Haus- und Hundebesitzer kommt angelaufen, fragt, was passiert sei. Er sieht, dass in der Wasserflasche ein Loch ist, läuft augen- blicklich ins Haus, holt eine neue Flasche und schenkt sie mir. …weiterlesen »

Miniatur von Saratov

Dieses Foto beweist, weshalb die Regeln der Kunst universell sind und weshalb in jedem Kunstwerk sich etwas Ungewolltes ausgedrückt. Es zeigt Saratov im Kleinen, im Vordergrund das historische, alte, zum oberen Bildrand aufstei- gend bis zur Gegenwart. Das Modell steht hinter einer Glasscheibe, gleich neben dem Lipki-Park im Zentrum der Stadt, es ist im Original mehrere Meter lang; hier ist ein Ausschnitt zu sehen. …weiterlesen »

Herzlich Willkommen!

Der Verleger meint, ich solle im Fahrradbuch meine Motivation für die Reisen an die Wolga noch stärker betonen. Ich fühlte mich an die Zeiten erinnert, da ich als Jungpionier an Lenins Geburtstag schildern sollte, weshalb dieser ein guter Mensch war. Die Einsicht, die ich damals gewann, vertrete ich heute noch: Was sich begründen lässt, ist selten wahr. …weiterlesen »

Spaziergang durch Saratov

(1) Der Witz dieses Plakats im Zentrum von Saratov ist nicht gleich erkennbar. Klar, ein Theater der Magie und der Zauberei kündigt seine Aufführungen an. Das erste und beste Zaubertheater aus ganz Russland ist es natürlich. Doch wo befindet sich der magische Ort? Die Adresse unter der Grafik zeigt es: v dome ofizerof. Im Haus der Offiziere. …weiterlesen »

Schuh – und Machwerk

Oratif – Tynivka, 125 km (1760). Dieses Foto ist natürlich Ausdruck geistiger Unterforderung. Auch Ausdruck des Unvermögens, den Kitsch zu erkennen. Ein Jagdflieger als Romanfigur, das wäre etwa so schlimm wie Zirkusclown, Skispringer, Mann mit Gedächtnisverlust.
Je schwächer ein Roman, desto einfacher ist es, sich vorzustellen, in welcher Pose das Machwerk konsumiert wird. …weiterlesen »

Der Mond

Diktat, Chust, Ukraine, 31.07.2008, 23.23 Uhr: “Eine Nacht im Hotelzimmer, Zelt und Kleidung trocknen. – Das Schöne an meinem Beruf: Ich kann die Tarnkappen wechseln. Im Beisein von P. äußere ich mich gern vulgär. Moderne ist doch Scheiße, oder? Auch wenn die Vorfahren gerülpst haben und stanken, so waren es doch echte Menschen. Aber die heutigen Zweibeiner sind echte Zwergfiguren.
Ach, lassen wir das. Der Mond scheint über den Bergen der Karpaten. Leider auch auf Zeugnisse menschlicher Tätigkeit. Ach nee, nicht schon wieder. Ich trinke zwei, drei Bier und denke dummes Zeug. In solchen Momenten ist es besser, mit dem Fotoapparat zu spielen. Lohnende Motive gibt es in fast jeder Umgebung.” …weiterlesen »

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