Hilfsmotor u.a.

Kriegstagebuch, Poltawa, 26.11.2026 (Geburtstag meines Erzeugers, der heute 90 Jahre alt geworden wäre. Verflucht sei seine Asche.)
Heute war ich im Krankenhaus in Poltawa. Mein amerikanischer Hilfsmotor fürs Herz wird überprüft. Alles in Ordnung. Ich frage den Arzt, ob ukrainische Patienten für solch ein Teil bezahlen müssten. Er verneint. Das Problem sei nur, dass man längere Zeit warten müsste. In Deutschland gibt es nicht genug Ärzte, bei uns nicht genug Herzschrittmacher, sagt er.
Woher weiß er das, falls es stimmt? Meines Wissens fehlen in Deutschland Hausärzte. Aber Kardiologen? Keine Ahnung. Ich hatte im letzten Jahr sowieso Glück. „Mein“ Berliner Kardiologe ist zufällig ein früherer Schachfreund, er besorgte mir bequeme Termine. „Mein“ Berliner Hausarzt, der mich an den Kardiologen überwies, meinte, das sei kein Glück, sondern Schicksal.
Der Hausarzt ist gar nicht „zufällig“ ein Facebook-Freund. Er bot sich mir bei meiner Veranstaltung in der Immanuelkirche als Hausarzt an, was ja auch ziemlich erstaunlich ist. „Du willst doch putin noch ein paar Jahre ärgern“, argumentierte mir. Ohne ihn hätte ich mich in Deutschland nicht untersuchen lassen. Ein witziger Typ, als Arzt sehr gewissenhaft, hilfsbereit, geradezu fürsorglich. Und – er ist ein Ukrainer! Eine seiner Töchter arbeitet noch in Sumy. Er hilft mir wohl (in besonderem Maße), weil ich hier helfe.
Was im Krankenhaus mal wieder „ein bisschen komisch“ war: die Kommunikation. Der Arzt, der mich zur Untersuchung brachte, redete nicht mit mir, sondern zeigte mit Handzeichen, wohin wir gehen sollen. Aber als ich dann mit dem älteren Arzt während der Untersuchung plauderte (ihn interviewte), da wurde auch der jüngere Arzt gesprächig. Meine Frage, ob sie nur den gegenwärtigen Zustand des „Stimulators“ sehen oder auch „das Archiv“, beantwortet er sogar mit einem längeren Satz.
Der Taxi-Fahrer am Morgen ebenso: Zuerst war er maulfaul (schönes Wort; benutzt das noch jemand in Deutschland?), dann wünschte er mir sehr höflich, dass alle meine „Ideen und Pläne“ für den heutigen Tag gelingen mögen.

Thema „Wärme, Strom, Wasser“: Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, aber ich habe die ganze Zeit alles in Poltawa; nur an einem Tag wurde nicht geheizt.

Thema „Arbeit als Freiwilliger“: Dank der GÖTTLICHEN SÄNGERIN Christina Daletska konnten wir in diesem Monat VIER Autos kaufen / ins Frontgebiet bringen !!! Und ein Auto konnte ich für die Territorialverteidigung Poltawa kaufen. Dafür musste ich 12 Tage lang am Geldautomaten das Limit ausschöpfen und letztlich ein Kilogramm Geld übergeben. Und hoffentlich in dieser Woche bekommen wir noch ein spezielles Auto für Invaliden, das ich in Lviv abholen soll. „Hinter den Kulissen“ sind wir also bienenfleißig.
Demnächst ist noch der Ankauf / Transport von Powerbanks im Wert von 10.000 Euro zu organisieren. Der Chef der Spender ist, so sagte man mir, „ein Fan von mir“ – was auch immer das bedeutet.
Und ein Kollege aus Österreich möchte mich besuchen und ein Porträt über mich schreiben. Das irritiert mich. Ich wüsste nicht, was es über mich zu berichten gibt.

Themen: Russland - Ukraine

Kommentare geschlossen.

  • Honigdachs-Galerie

  • Themen