«Deutschland hat die imperialistische Politik des Kremls mehrheitlich unterstützt»
NZZ, 01.02.2026: Mehr als bloss ignorant: «Deutschland hat die imperialistische Politik des Kremls mehrheitlich unterstützt», sagt der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk
„Deutschland fällt es bis heute schwer, Russland als Aggressor zu begreifen. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk erklärt, wie die Verklärung von Gorbatschow, Schuldgefühle und ein grundlegendes Unverständnis Russlands zu einer fatalen Realitätsverweigerung geführt haben.“
Verquikung von Welt- und persönlicher Geschichte in wenigen Zeilen:
NZZ: „Warum kümmerte dies eine Mehrheit nicht (ruzzlands Überfall 2014 auf die Krim)?»
Ilko-Sascha Kowalczuk: „Weil die deutsche Öffentlichkeit das als einen innersowjetischen Konflikt sah, als einen Bruderkrieg. Man hat gar nicht gewusst, dass die Ukraine das grösste Land Europas ist, wo dieses Land überhaupt liegt oder wem die Krim gehört. Dabei sind die Staatsgrenzen beim Budapester Memorandum 1994 von allen akzeptiert worden. Mir tut das besonders weh. Ich habe einen ukrainischen Grossvater, der für seinen Kampf um eine freie Ukraine zum Tode verurteilt worden ist. (!) Doch in der DDR war ich für alle der Russe. (!) Die (Ostdeutschen) haben die Sowjetunion so gehasst, dass es vollkommen wurst war, ob man aus Tadschikistan, Russland oder der Ukraine stammte.»
Schreckliche Ein- und Aussichten:
Ilko-Sascha Kowalczuk: „… die meisten Menschen im Osten (Deutschlands) haben nie gelernt, dass man sich in einer freiheitlichen Demokratie selber um die Probleme kümmern muss. Die erwarten immer noch, dass der Staat alles für sie regelt. Und so schimpfen alle und kommen aus diesen Erregungsspiralen nicht heraus. Einen Ausweg aus dieser Destruktionswut sehe ich ehrlich gesagt nicht. Wir stehen an der Pforte zum autoritären Zeitalter. …
Wenn Putins Armee morgen vor Warschau stünde, hätte Deutschland ein Riesenproblem. Die Mehrheit würde kapitulieren und weisse Flaggen hissen. Und diejenigen, die Widerstand leisteten, würden gehasst.»
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