Notizen
Poltawa, 04.06.2022
Zum Argument, die Nato sei ja stärker als ruzzland, ruzzland werde deshalb die Nato nicht angreifen: Aber ruzzlands Militär verfügt über enorme Zerstörungskräfte, und sie kalkulieren die Feigheit bzw. Lebensfreude der Westler mit ein. Der Westen ist erpressbar, wenn er sich erpressen lässt. An die Deutschen: Sie kennen euch womöglich besser als ihr euch selbst. Weil sie den Krieg als nihilistisches Gesamtkunstwerk gestalten. Aber alles ganz und gar Kalkulierte wirkt immer niedlich, deshalb scheitern sie bei der Berechnung „ihrer“ Wirklichkeiten, bspw. am Mut der Ukrainer.
Seltsam: die Argumente, ruzzland werde keine Kernwaffen einsetzen, weil China und Indien dagegen wären, weil ruzzland dann international isoliert wäre oder weil es keine entscheidenden militärischen Vorteile mit dem Einsatz von Kernwaffen erreichen würde oder weil es das dann atomar verseuchte Land ja selbst einmal nutzen wolle oder weil der Wind die Strahlen auf eigenes Territorium wehen könne …
Alles seltsame Argumente, solange das wichtigste fehlt: dass der Westen ja atomar antworten könnte.
In den Propaganda-Shows im ruzzischen Staatsfernsehen wird übrigens als einziges Argument gegen den Einsatz von Kernwaffen gesagt: Weil wir Humanisten sind.
Die Lehre vom „Wissenschaftlichen Kommunismus“ haben sie in Moskau in die Lehre vom Wissenschaftlichen Zynismus umgeformt. Sie wissen, dass sie im friedlichen Wettbewerb nicht mit anderen Ländern mithalten können, also entscheiden sie sich für das Faust“recht“.
Wichtiger Unterschied:
Was hatte ruzzland, was hatte der Westen „im Angebot“ für die Ukraine? Nicht: was boten beide (aktiv) an. Bis zum Jahr 2022.
Die EU bot der Ukraine 2013 ein umfassendes Handelsabkommen an, in dem auch reguliert worden war, wie viele Avocados die Ukraine in die EU exportieren darf, nämlich keine, auch keine importierten. Oder waren es Ananas? Das Vertragswerk soll mehr als eintausend Seiten lang gewesen sein, selbst die Übersetzer haben es nicht im Ganzen gelesen, und wahrscheinlich auch niemand von den demonstrierenden Menschen auf dem Maidan. Aber das war nicht entscheidend.
Viel wichtiger: die systemischen Unterschiede
Westen: Bessere Löhne, ehrliche Polizei, Marken-Produkte (daraus folgend „Lebensgefühle“), faszinierende Technologien im Handwerk und IT-Bereich, inspirierende Moden und Trends.
ruzzland: völlige Rechtlosigkeit vor Gerichten, brutale Polizei und korrupte Behörden (jährlich 150.000 erfolgreiche Firmen werden von „Sicherheitskräften“ enteignet / übernommen), kaum weltmarktfähigen Fertigprodukte, dementsprechend gruslige Soft-Power.
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