Freiheit

Poltawa, 04.06.2026
Ich bin in der Kneipe, traurig, denn Poltawa ist so leer geworden, denn die meisten Freunde dienen an den Fronten; einige frühere Freunde haben sich ins Ausland verdrückt.
Die Barfrau Viktoria telefoniert mit einer Freundin. Sie will wissen, wo heute morgen eine Drohne hingeflogen ist, in der Nähe ihres Hauses, am nördlichen Stadtrand. „Auf dem Parkplatz“, wiederholt sie. Gleichzeitig schreibt mir ein Freund, der am östlichen Stadtrand lebt, dass auch bei ihm drei Uhr nachts ein fliegendes Moped niedergegangen ist.
Erschreckend, und doch schon Alltag: Einschläge in der Nähe.
Neulich saßen wir abends in Anatolis Garten-Pavillon, da ertönte ein lauter Knall. Eine Shahed-Drohne war in der Nähe eingeschlagen, ca. 70 Meter entfernt, wie wir später erfuhren. Wir unterbrachen unser Gespräch aber nur kurz (über die enormen Wissenslücken in den westlichen Kriegs-Diskursen). Ca. einen Monat zuvor hatte es etwa genauso laut geknallt. Bei uns saß da aber ein Krieger, der uns aufklärte, das sei Artillerie, paar Kilometer entfernt. „Kein Grund zur Aufregung“.

Ach, wir sind so cool, so abgebrüht. Aber man darf den Feinden ja nicht den Gefallen tun, in Panik zu verfallen. Die beste Medizin gegen deren Mordlust ist: sie auszulachen; die Gefahr zu verlachen. Niemals aufgeben! Es lebe die Freiheit, die so bitter erkämpfte.

Themen: Russland - Ukraine

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