Dienstreise Poltawa – Losowa – Slowjansk, 13.09.2026

Wir fahren wieder in heißere Zonen. Der unermüdliche Urban Frye bringt uns ein Feuerwehrauto aus der Schweiz, einen Wagen mit einer 30 Meter langen Leiter. (Seit ich ihn kenne, glaube ich nicht mehr, dass die Deutschen Weltmeister im Planen sind. Es müssen die Schweizer sein.) Heute wollen wir das Auto schon übergeben und den Bürgermeister treffen, Gennadi Korol – ebenfalls ein unermüdlich Arbeitender. Einer, der „in Arbeit ertrinkt“; ich sehe das regelmäßig. Entscheidungen im Minutentakt zu treffen, das kann nicht jeder. Wir werden zwei weitere Projekte besprechen, die Versorgung des Sozialzentrum mit Solarbatterien und den Aufbau eines Tierheims. Montag fahren wir dann nach Slowjansk, um einen wichtigen Menschen zu treffen und ebenfalls weitere Projekte zu besprechen. Unser Gastgeber Anatoli hat mich schon gewarnt: Wir werden uns nicht langweilen. Einerseits haben wir ein volles Arbeitsprogramm, andererseits fliegt mehr Eisen und Dynamit durch die Luft als früher. –
Anderes Thema, anlässlich der schrecklichen Wahlerfolge der nationalistischen Brandstifter in meiner 1. Heimat Sachsen-Anhalt:
Die Tragödie der heutigen Menschen: Die eigene Tragik nicht zu begreifen – sich selbst nicht als zwergenhaft zu erkennen, somit nicht über sich selbst lachen zu können. Tragisch ist das Vertrauen in die Machbarkeit, in Unkenntnis des simpelsten Gesetzes der Geschichte, welches besagt, dass die Handlungen aller stets zu Resultaten führen, die niemand gewollt hat. Franz Kafkas Wunsch ist heute leicht zu erfüllen: „Ich würde ganz gern – warum denn nicht – einen Ausflug mit einer Gesellschaft von Niemand machen.“ Die Niemande staunen nicht, dass sie nur Niemande treffen. Verantwortlich gemacht werden am Liebsten andere Niemande. Die Politiker, die Oligarchen, die Medien. Beim Delegieren von Verantwortung gelten Selbstironie und Selbstzweifel als Gift für die Vermarktbarkeit.

Themen: Russland - Ukraine

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