Eine Deutsche im Ukraine-Krieg: Das Fronttagebuch der Savita Diana Wagner

Faszinierendes, trauriges Buch. Traurig von Anfang an, weil man ja weiß, dass die Autorin am Ende von den ruzzen erschossen wird, d.h. „im Einsatz getötet, als sie zwei verwundete Soldaten aus dem Gefecht zog“.
Nach dem heimtückischen Überfall putin-ruzzlands auf die friedliche Ukraine beschließt Savita Diana Wagner im März 2022, den Ukrainern beim Überleben zu helfen. Zunächst als zivile Freiwillige, dann als Sanitäterin beim Militär, bald auch als Kämpferin. Mit beeindruckender moralischer Konsequenz trifft sie ihre Entscheidungen. Ihre Motivation bezieht sie auch aus dem Versagen des Westens, dem jämmerlichen Verhalten der Verantwortlichen, der Mehrheit der Bevölkerung und der Medien.
9. März 2022
„Das ist verrückt, alle sitzen sich die Hintern platt, während ein echter Imperialist (wieder mal) in Europa randaliert.“
16. April 2023
„… so hoffe ich doch – als jemand, der seit dem 22. März 2022 in der Ukraine ist und seit dem 22. Juni an der Front mit der ukrainischen Armee kämpft –, dass alle, die jetzt nur zuschauen, die etwas (oder mehr) tun könnten, sich aber dafür entscheiden, sich nicht (weiter) einzumischen, in Scham und Schuld versinken werden, wenn alles vorbei ist, wenn das ganze Ausmaß der russischen Aggression in der Ukraine ans Licht gekommen ist, wenn alle etwas Zeit hatten, um zu verarbeiten, was hier passiert ist, bestimmte Kapitel der Geschichtsbücher noch einmal zu lesen und darüber nachzudenken, was in zukünftigen Geschichtsbüchern über diesen Krieg geschrieben werden soll.
Ukrainer „dürfen“ das nicht sagen (ohne dafür verurteilt zu werden), weil sie für die Unterstützung, die wir erhalten, Dankbarkeit zeigen sollen – nichts als Dankbarkeit, um die Unterstützung und Sympathie der Welt nicht zu gefährden, aber ich sage: Schämt euch!“
Sarkastisch schildert sie, was sie im Krieg lernt:
„Ich habe gelernt, dass selbst schief hängende Bilder oder auf dem Boden liegende Reisepässe Fallen sein können, die einem die Hände oder das Gesicht wegreißen. … Ganze Städte und Dörfer, die „kürzlich befreiten Gebiete“, sind mit unglaublichen Fallen präpariert … Menschen können sehr kreativ und/oder bösartig sein, z. B. mit Minen unter Schaukeln, in Leichen, übereinandergestapelte Minen, Granaten in Gläsern in Küchenschränken, die mit der Tür verdrahtet sind, Eimer mit Chemikalien, die so aufgestellt sind, dass sie beim Öffnen einer Tür oder Auslösen eines anderen zufälligen Mechanismus ein giftiges Gas freisetzen, Zeug auf dem Boden, das einem die Hände und/oder das Gesicht wegbläst, wenn man es aufhebt, die üblichen Stolperdrähte, die natürlich an Granaten ohne Zünder befestigt sind und so weiter …“
Sie berichtet von extrem harten Kämpfen an den vordersten Linien und wundert sich über sich selbst, warum sie bereit ist ihr Leben für die Rettung und Verteidigung von Ukrainern zu riskieren. Sie hatte nie zuvor etwas mit Krieg zu tun, hatte nicht einmal Kriegsfilme gesehen. In der Ukraine war sie zuvor nicht gewesen, und sie wundert sich darüber, dass „in Sachen Digitalisierung die Ukraine beispielsweise Deutschland oder Amerika um Lichtjahre voraus ist. Das Bank- und Postwesen hier ist so viel moderner und bequemer, dass ich mich frage, wie ich zu Hause mit unserem veralteten System nicht verrückt geworden bin.“ (Geht mir genauso.)

Fazit: Ein beeindruckendes Buch!

Themen: Russland - Ukraine

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