Dieses Durcheinander in den Köpfen
Jura kommt in den Hof. Seltsamerweise trägt er bei dieser Hitze eine Weste aus Schaffell. Jura riecht nicht wie betrunken, aber er fragt, ob ich ihm einen Wohnwagen kaufen kann, während wir uns umarmen. Kannst du mir einen Wohnwagen kaufen, kannst du mir eine Zigarette geben, so in dem Ton. Irgendwelche Kinder sollen im Wohnwagen schlafen. Die Kinder könnte er an einen See fahren. Welche Kinder, das kann er nicht erklären, seine jedenfalls leben in London.
Wir trinken natürlich nebenbei. Zwei, drei, vier Runden. Gorilka. Nie wieder Wodka. Selbst unsere Enkel werden keinen Wodka trinken, sondern Gorilka, auch wenn es das gleiche Getränk ist. Wodka trinken die Sumpfgeschöpfe aus dem Norden.
Jura erklärt, warum nur ich einen Wohnwagen für ihn kaufen kann, weil das die billigste Möglichkeit wäre. Denn hier kostete ein Wohnwagen zehn Mal mehr als im Ausland, mindestens.
Und die meisten Autoverkäufer seien „linke Hunde“, die dich linken wollen. Aber ein Auto im Ausland kaufen zu wollen, das hieße doch, man müsse den Transport bezahlen, Importsteuern, den Zoll, und was weiß ich. Und wie soll ich den Wohnwagen herbringen? Mit dem Fahrrad?
Jura fragt schließlich sehr ernst: „Kannst du mir helfen oder nicht.“
Natürlich nicht.
„Abgemacht“, sagt er, „das ist ein Wort“, als hätte ich ihm eine Zusage gemacht.
Dann beschimpft er seinen Cousin, er nennt ihn Hündin, der antwortet in gleicher Weise. Dabei lachen sie, als wäre das die lustigste Sache der Welt.
Der Cousin will Wowa genannt werden. Wenn jemand Wladimir sagt, dann wird er wütend, sagt er. Deshalb versteht er jetzt, warum Jura ihn beschimpft. Weil er meinen Namen nicht korrekt ausgesprochen hat. Ich bin kein Italiener und kein Columbus. Und Jura verteidigt meine Ehre oder was er als Ehre versteht, denn mir ist es eigentlich egal, wie man meinen Namen ausspricht. Aber Wowa kapiert das nicht, weil er unter Sprechdurchfall leidet und einfach nicht zuhören kann. Er kapiert auch nicht, dass wir das Thema Wohnwagen längst abgeschlossen haben. Eigentlich will nämlich er einen Wohnwagen haben, wie jetzt herauskommt. Aber ich kenne ihm kaum, ich hätte ihm nicht vertraut. Nur für mich hätten sie zur Vorbereitung unseres Treffens Gorilka getrunken, wie freundlich. „In Vorbereitung unseres Treffens“ hatten sie sich Mut angesoffen, obwohl das nicht nötig gewesen wäre.
„Wie viel Geld habt ihr eigentlich für einen Wohnwagen, ihr Helden?“, frage ich.
„Zweihundertfünfzig Dollar“, sagt Jura.
Jetzt lache ich, weil das die lustigste Sache der Welt ist. Führen wir hier einen Sketch von Daniil Charms auf, oder was?
Aber Jura klopft mit dem Finger auf den Tisch und besteht darauf, dass man in Deutschland für zweihundertfünfzig Dollar einen Wohnwagen kann.
„Vielleicht einen, der nicht mehr fährt“, sage ich.
Obwohl Jura Unsinn redet, bleibt er natürlich mein Freund. Lass ihn träumen. Er hat sieben Jahre in Schützengräbern überlebt und mich mitgenommen zu den vorderen Linien, eingekleidet wie ein Soldat.
Sein Cousin will die Frage nicht beantworten, ob er gedient habe. Dann sagt er, ja, er diene. Da schreit Jura ihn an, „Hündin“, diesmal ohne dabei zu lachen. Wowa „dient“ nämlich beim TZK. Er kämpft also nicht, sondern „kassiert“ Wehrpflichtige ein und bekommt dafür Prämien. Eine notwendige Arbeit, bitteschön. Aber eben noch hatte er geschimpft, dass das TZK nicht ehrlich arbeite. Warum arbeitet er dann dort?
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