Philosophie für Kinder (13)
Poltawa, 12.07.2026 (Luftalarm)
„Kriege lassen sich nie vergleichen, lassen sich auf gar keinen Fall vergleichen“, meint die Reporterin. „Weder was die Sicherheitsvorkehrungen für uns Reporter angeht, noch was die Lösungsansätze angeht. Jeder Krieg hat seinen eigenen Fingerabdruck, und jede Lösung ist eine andere.“
Während sie bestreitet, dass sich Kriege vergleichen lassen, vergleicht sie Kriege – indem sie die Unterschiede betont.
„Das kann man nicht (miteinander) vergleichen“ ist wahrscheinlich die Formulierung, die im Deutschen am Häufigsten falsch verwendet wird. Gemeint ist fast immer: „Das ist nicht das Gleiche“ bzw. „Das ist nicht dasselbe.“
Denn natürlich kann man alles miteinander vergleichen, auch ein Sandkorn mit einem Elefanten, einen Kolibri mit Karl Marx, den Mond mit der Sonne, Gefühle mit Gedanken und Krieg mit Frieden. Womöglich zeigt ein Vergleich, dass es zwischen den Untersuchungsobjekten keine Gemeinsamkeiten gibt. Doch solche Beziehungen zu finden ist weit schwieriger als der Alltagsverstand zu wissen glaubt. Alles Stoffliche hat Gewicht, alles bewegt sich oder wird bewegt. (Aber nicht alles ist subjektiv, wie der dumpfe postmoderne Zeitgeist gern behauptet, siehe Thema „Gefühlssoße“.) Etwas kann zwar als unvergleichlich EMPFUNDEN werden, aber das bedeutet nur, dass ein Subjekt etwas als unvergleichlich empfindet.
Kriege, egal welche, sind sogar besonders leicht vergleichbar, leichter als beispielsweise Gedichte aus unterschiedlichen Sprachen, da Kriege sich durch mehr harte Fakten auszeichnen als Gedichte. Je mehr Eigenschaften, desto leichter sollten die Vergleiche fallen.
Doch es ist die Regel, nicht die Ausnahme, dass Menschen etwas als unvergleichlich empfinden, dass nicht unvergleichlich ist. Es ist „normal“, dass sie menschliche Handlungen, eigene wie fremde, „in ihrer Gesamtheit“ nicht verstehen. Dass sie nach etwas streben, das niemals kommen wird (der Kommunismus, das Himmelreich auf Erden, eine gerechte Gesellschaft). Hier hilft die Formel von Theodor Lessing, Geschichte sei die Sinngebung des Sinnlosen.
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