Russland - Ukraine
Oktober: Ruhm alter Zeiten
In dieser Gegend (Dnepropetrovska Oblast) wurden die Bushaltestellen mit Kacheln verziert, nicht mit Mosaiken. Entsprechend eingeschränkt sind die Gestaltungsmöglichkeiten. Man scheint Dienst nach Vorschrift geleistet zu haben. Slava, der Ruhm, bröckelt schon lange.
Schade, liebe Genossen! Ihr habt eine wichtige Chance im sozialistischen Wettbewerb verschenkt! Die Genossen in Poltava haben gezeigt, welchen Frohsinn die sozialistischen Bauwerke ausstrahlen können! …weiterlesen »
Tour de Wolga
Der Bär
Die Nacht im Maisfeld tat mir gut. Nach mehreren Regentagen sind Zelt und Schlafsack wieder trocken und gut durchlüftet. Ich fahre einige Kilometer auf der Landstraße Richtung Süden, fotografiere die ersten Bushaltestellen, drei in einer Stunde. Sehr ungewöhnliche figürliche Darstellungen, sowohl tratschende Bäuerinnen als auch lustige Krieger, die im Gleichschritt „in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft“ marschieren. Ein Ort heißt Ataki, also wohl Angriffe. …weiterlesen »
Russland - Ukraine
Kulturhäuser in der Ukraine
Nicht minder spannend als die Bushaltestellen: Die Kulturhäuser mit ihrer Mischung aus Stolz, Naivität, Angeberei und Sehnsucht nach heiler Welt. BUDYNOK KULTURI steht über dem Eingang der meisten Häuser, auch über dem von Lychkove (1). Budka, das Wartehäuschen, Budni, Alltag, verrät das Wörterbuch. In solchen Häusern durfte die Kunst ihre Unschuld proben – mit Tanz, Klavierspiel und Kinderchören. …weiterlesen »
Russland - Ukraine
Lebenslust aus Stein
Stavki, Ukraine, 27.05.2008. Wir sehen hier das seltene Beispiel einer Bushaltestelle, in welcher sich zwei Stile vereinen – die geometrische Epoche mit der Neuen Leidenschaftlichkeit. Die aufstrebenden Fische verweisen auf das natürliche Streben nach Freiheit, nach frischer Luft, die Gesellschaft atmet wieder, sie bekennt sich wieder zu selber, auch zur ihren Untiefen. Die Farben bleiben jedoch dunkel und ernst, den Fragen der Gegenwart angemessen. …weiterlesen »
Tour de Wolga
Denkmäler im Donbass
Kondrat Bulawin (1660 – ?), Anführer eines Volksaufstandes, kämpfte offen- bar in einer fröhlichen Weise. Mit Zipfelmütze und Schnabelschuhen, den Rock keck geöffnet, so hat ihn der Bildhauer verewigt. Die Haltung der linken Hand zeigt: Er kann auch reden; der Bart zeugt von seinem Stolz. Man kann ihn sich gut als einen Vertreter der Vernunft vorstellen, aber auch als wilden Trunkenbold. …weiterlesen »
Russland - Ukraine
Korolivka
Korolivka, 08.06.2007. Zunächst wollte ich diese Bushaltestelle gar nicht fotografieren, weil mir das Motiv so einfallslos erschien. Störche auf einer Storchenwiese, nun ja. Ich war wohl verwöhnt vom Anblick der vielen Kunstwerke zuvor. Es war auch so heiß. Wenige Kilometer zuvor eine den Olympischen Spielen gewidmete Haltestelle, beide offenbar von den gleichen Mosaiklegern erstellt. …weiterlesen »
Russland - Ukraine
Pavlivka
11.06.2007, Abschied von meiner Brigade, ich fahre früh los und kann bereits 07.24 Uhr im nächsten Dorf die erste Bushaltestelle fotografieren. Eine Schönheit ist sie nicht, auch hat die Losung, „Ruhm und Ehre der Arbeit der Getreidebauern“, an Überzeugungskraft verloren. Die Zukunft ver- schwindet im Dunkel der Geschichte. …weiterlesen »
Russland - Ukraine
Glück des Sammlers
20.07.2008, 7.49 Uhr, 7.56 Uhr – kaum auf der Landstraße, schon erwacht die Sammelleidenschaft, ich fotografiere die ersten Bushaltestellen. Subver- sive oder propagandistische Elemente fehlen hier. Das Leben ist schön, mehr wollen die Mosaikleger nicht sagen. …weiterlesen »
Russland - Ukraine
Revolutionsparadies
20.7.08, Saporoshnje – Nikopol. Sonntagmorgen, 8.47 Uhr. Auch das ist eine Bushaltestelle. Ich stehe davor und staune. „Der Tag ist vorüber, ich habe den Tod gesehen, die weißen Straßen, die Pferde unter den Bäumen.“ (Isaak Babel) So schön kann also Revolution sein. Man möchte sie gleich noch einmal ausrufen, wenn sie solche Kunstwerke hervorbringt. …weiterlesen »
Tour de Wolga
Balzac auf der Flucht in die Ukraine (2)
Literarisches Geschichtsmuseum Balzac. Ich habe offenbar einen Sonnenstich. Ich fahre zurück, lese noch einmal: Literarisches Geschichtsmuseum Balzac. Neben dem Schild picken Hühner im Gras, eine Ziege betrachtet mich etwas erstaunt, auf der anderen Straßenseite rufen drei Frauen: Kommen Sie! Feiern wir! Ganz nüchtern sind sie nicht mehr. Ich rolle zu ihnen rüber, die Älteste betastet erst meine Wade, dann glaubt sie, dass ich von weit her komme. …weiterlesen »