Archive von November 2008

Liebe aus Stein

Wozu nach New York reisen und das Museum of Modern Art besuchen, wenn im Freilichtmuseum Ukraine der Eintritt frei ist und die Augenschmeichler auf Waldwiesen stehen?
Hier seht ihr echte Liebe aus bunten Steinen, Liebe zur Kunst und zum Leben – ihr Rehe und Waldmäuse! Da könnt ihr mal neidisch sein, wie glücklich wir Menschen sind, wenn wir lieben! Sogar der Regenbogen und die Sonne schei- nen über diesem Glück. Und die Natur ist eins mit uns, die Vögel zwitschern Lieder und zerbeißen keine Würmer. …weiterlesen »

Schuh – und Machwerk

Oratif – Tynivka, 125 km (1760). Dieses Foto ist natürlich Ausdruck geistiger Unterforderung. Auch Ausdruck des Unvermögens, den Kitsch zu erkennen. Ein Jagdflieger als Romanfigur, das wäre etwa so schlimm wie Zirkusclown, Skispringer, Mann mit Gedächtnisverlust.
Je schwächer ein Roman, desto einfacher ist es, sich vorzustellen, in welcher Pose das Machwerk konsumiert wird. …weiterlesen »

Der Mond

Diktat, Chust, Ukraine, 31.07.2008, 23.23 Uhr: „Eine Nacht im Hotelzimmer, Zelt und Kleidung trocknen. – Das Schöne an meinem Beruf: Ich kann die Tarnkappen wechseln. Im Beisein von P. äußere ich mich gern vulgär. Moderne ist doch Scheiße, oder? Auch wenn die Vorfahren gerülpst haben und stanken, so waren es doch echte Menschen. Aber die heutigen Zweibeiner sind echte Zwergfiguren.
Ach, lassen wir das. Der Mond scheint über den Bergen der Karpaten. Leider auch auf Zeugnisse menschlicher Tätigkeit. Ach nee, nicht schon wieder. Ich trinke zwei, drei Bier und denke dummes Zeug. In solchen Momenten ist es besser, mit dem Fotoapparat zu spielen. Lohnende Motive gibt es in fast jeder Umgebung.“ …weiterlesen »

Die Ansprüche wachsen

Diktat, Montag, 05.06.2007, Lviv – Velyki Birky, 157 km (1300).
„Herrlich, ich lebe! Ich brauche die idiotische Schreiberei nicht! Fahrrad- fahren ist das einzig Wahre! Wenn ich die Hände frei hätte, würde ich mir die Fäuste gegen die Stirn schlagen aus der Einsicht heraus, bis vor wenigen Tagen ein gänzlich falsches Leben geführt zu haben. Geahnt habe ich’s zwar schon lange, aber dass mich diese Erkenntnis so stark trifft, oh weh, oh weh. …weiterlesen »

Schönste Bushaltestelle Russlands 2007

20.08.2007, Birjutschij – Barzjutsche, 159 km (6045 km). Im Dorf Archan- gelskoje, nicht weit von der Stadt Anna, steht die „Schönste Bushaltestelle Russlands 2007“. Einige meiner in Russland lebenden Freunde werden protestieren: Das ist doch keine schöne Haltestelle! Alt, verfallen, schmutzig! Ja, das ist wahr. Aber im Alter und im Verfall hat sich die Schönheit ihre Würde bewahrt. …weiterlesen »

Rausch und Selbstüberschätzung

Jede Bushaltestelle, die ich fotografiere, gehört mir gewissermaßen, ich bin ihr (Er-)Finder. Ich habe die Patenschaft für sie übernommen. Ich bemühe mich, sie zu beschützen und sie zu ehren. Ich liebe sie, auch wenn / weil ich dafür ausgelacht werde oder meine Liebe zu ihnen als Spinnerei abgetan wird. Genau solch eine Liebe brauche ich. Es stärkt die Willenskraft, abgelehnt zu werden. Auf die nächste Bergspitze gelange ich nur mit hängender Zunge. …weiterlesen »

Das Urteil

Erst wenige Minuten gefahren seit der letzten Bushaltestelle, in Gedanken bin ich noch beim Dorfklatsch, da steht das nächste zu untersuchende Objekt am Straßenrand. Weil die Sonne blendet, täuscht der erste Eindruck. Und wie! Ich stehe da und staune. Welches Epos wird hier erzählt? Welche hohen Herren sind hier angetreten? Welcher Herrscher hält das Zepter, oder schwingt er die Keule? Wer sind die eifrigen Krieger mit den fröhlichen Bärten, welche die Versammlung von außen schützen? (28.07.2008, 09.22 Uhr) …weiterlesen »

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