Die Kamera sieht eben doch etwas anderes als das Auge. Eigentlich fand ich das Fest der Galuschki, der Mehlklößchen, ziemlich langweilig. An einigen Ständen wurde etwas gekocht, an einigen andere Ständen etwas verkauft, zwischendurch sangen Trachtengruppen. Ansonsten betrachteten Spazier- gänger Spaziergänger.
Besondere Momente gibt es aber in fast jeder alltäglichen Handlung – das meinte Isaak Babel als er schrieb, er traue sich zu, eine Erzählung über das Wäscheaufhängen in der Prosa von Julius Cäsar zu schreiben. weiterlesen »
Honigdachs am 30. November 2008 in Tour de Wolga
Träumt er vom eigenen Haus? Von einer Zeit, in der das Wünschen wieder helfen wird? Oder will er, dass alles so bleibt wie es ist? Denkt er – die Fehler sind da, sie müssen nur gemacht werden? Vielleicht weiß er, dass Gerechtig- keit ohnehin nur ein euphorischer Moment in der Wirklichkeit ist? Er könnte auch ein Anhänger von Montaigne sein: Wer die Wahrheit verrät, verrät auch die Lüge! – Von der Kamera lässt er sich nicht beißen. weiterlesen »
Honigdachs am 30. November 2008 in Bus Mosaik UA - RU
Als Radfahrer fühle ich mich rundherum vollständig. Die praktischen Fragen (Schlafplatz, Trinkwasser, Essen, Revierkämpfe mit verwilderten Hunden und Maulwürfen) lösen sich irgendwie nebenbei. Verdursten kann ich nicht, mehr als vierzig Kilometer sind es selten von Dorf zu Dorf.
Sehr nützlich war die Erfahrung im Wolga-Don-Becken, weiterlesen »
Honigdachs am 28. November 2008 in Tour de Wolga
Ich denke immer noch an gestern.* Vor Verchovyna war ein Teil der Straße von den Fluten fortgespült worden. Ich fragte den Einsatzleiter der Katastro- phenhilfe, ob es möglich sei, mit dem Fahrrad weiter zu kommen. Er, nach einigem Zögern: Möglich sei das wohl. Aber müssen Sie denn weiter? Es ist sehr wichtig? – Natürlich! Ich zweifelte nicht eine Sekunde. weiterlesen »
Honigdachs am 27. November 2008 in Bus Mosaik UA - RU, Tour de Wolga
Das passende Mosaik zur Finanzkrise, aus Kryvopillia in den ukrainischen Karpaten, nahe der rumänischen Grenze, nur 50 Kilometer von einem offi- ziellen geographischen Mittelpunkt Europas entfernt. Die Schafe sind dem falschen Trommler nachgelaufen, die bösen Blicken zeigen es. Die Hörner gleichen zwar Flügeln, aber das hilft nicht, es verstärkt nur den komischen Eindruck. Erst einmal ist allgemeines Abwarten angesagt, auch die Rehe haben den Vorgang im Ganzen noch nicht verstanden. Und die Paradiesvögel versüßen sich die Pause. weiterlesen »
Honigdachs am 26. November 2008 in Bus Mosaik UA - RU
Der Autor hat keinen Supervisor, er muss die Abartigkeiten seiner Figuren allein erkunden. Er selbst muss entscheiden, was er sich und den Lesern zumutet. August Strindberg litt an dieser Frage sehr. Nikolai Gogol hungerte sich aus Scham über das eigene Schreiben zu Tode, er nannte es Fasten. weiterlesen »
Honigdachs am 25. November 2008 in Literatur
Seit 2-3 Tagen plagt mich eine Darmgrippe, entsprechend idiotisch und unvernünftig verteilen sich die Arbeitszeiten über den Tag: Heute bin ich 4 Uhr morgens aufgewacht, war 4 Uhr 30 am Schreibtisch … obwohl ich, wie mir scheint, seit Wochen keine wirkliche Schreiblust verspüre. weiterlesen »
Honigdachs am 24. November 2008 in Literatur
Ich fahre durch ein Dorf, da fällt mir eine Wasserflasche vom Gepäckträger. Der Knall ist ziemlich laut, hinter dem nächsten Gartenzaun bellen wütend zwei Hunde. Der Haus- und Hundebesitzer kommt angelaufen, fragt, was passiert sei. Er sieht, dass in der Wasserflasche ein Loch ist, läuft augen- blicklich ins Haus, holt eine neue Flasche und schenkt sie mir. weiterlesen »
Honigdachs am 24. November 2008 in Tour de Wolga
Auch in Banilov haben die Mosaikleger sich ihre künstlerische Freiheiten nicht nehmen lassen, die Gegenständlichkeit ist kein Dogma, die Farben spre- chen für sich. – Nebenan im Geschäft ist man mal wieder verwundert, dass ich diese Bushaltestelle fotografiere. Ich würde ja gern etwas länger über die schönen Künste reden, weiterlesen »
Honigdachs am 22. November 2008 in Bus Mosaik UA - RU
Moderne Gesellschaften kennen ihre Wirklichkeit nicht, weil sie sie nur vermittelt wahrnehmen. Wenn in Friedenszeiten mehr Kinder vergewaltigt werden als erwachsene Frauen durch Besatzungstruppen im Krieg,* ohne dass dies ins allgemeine Bewusstsein rückt, können wohl nur brutale Schocks die Gesellschaft zur Besinnung bringen. Eine Wirtschaftskrise reicht dafür nicht, zumal wenn das Rezept der angeblichen Wirtschaftsweisen lautet: Baut mehr Straßen! weiterlesen »
Honigdachs am 21. November 2008 in KRISE