Schuh – und Machwerk
Oratif – Tynivka, 125 km (1760). Dieses Foto ist natürlich Ausdruck geistiger Unterforderung. Auch Ausdruck des Unvermögens, den Kitsch zu erkennen. Ein Jagdflieger als Romanfigur, das wäre etwa so schlimm wie Zirkusclown, Skispringer, Mann mit Gedächtnisverlust.
Je schwächer ein Roman, desto einfacher ist es, sich vorzustellen, in welcher Pose das Machwerk konsumiert wird. …weiterlesen »
Der Mond
Diktat, Chust, Ukraine, 31.07.2008, 23.23 Uhr: „Eine Nacht im Hotelzimmer, Zelt und Kleidung trocknen. – Das Schöne an meinem Beruf: Ich kann die Tarnkappen wechseln. Im Beisein von P. äußere ich mich gern vulgär. Moderne ist doch Scheiße, oder? Auch wenn die Vorfahren gerülpst haben und stanken, so waren es doch echte Menschen. Aber die heutigen Zweibeiner sind echte Zwergfiguren.
Ach, lassen wir das. Der Mond scheint über den Bergen der Karpaten. Leider auch auf Zeugnisse menschlicher Tätigkeit. Ach nee, nicht schon wieder. Ich trinke zwei, drei Bier und denke dummes Zeug. In solchen Momenten ist es besser, mit dem Fotoapparat zu spielen. Lohnende Motive gibt es in fast jeder Umgebung.“ …weiterlesen »
Die Ansprüche wachsen
Diktat, Montag, 05.06.2007, Lviv – Velyki Birky, 157 km (1300).
„Herrlich, ich lebe! Ich brauche die idiotische Schreiberei nicht! Fahrrad- fahren ist das einzig Wahre! Wenn ich die Hände frei hätte, würde ich mir die Fäuste gegen die Stirn schlagen aus der Einsicht heraus, bis vor wenigen Tagen ein gänzlich falsches Leben geführt zu haben. Geahnt habe ich’s zwar schon lange, aber dass mich diese Erkenntnis so stark trifft, oh weh, oh weh. …weiterlesen »
Schönste Bushaltestelle Russlands 2007
20.08.2007, Birjutschij – Barzjutsche, 159 km (6045 km). Im Dorf Archan- gelskoje, nicht weit von der Stadt Anna, steht die „Schönste Bushaltestelle Russlands 2007“. Einige meiner in Russland lebenden Freunde werden protestieren: Das ist doch keine schöne Haltestelle! Alt, verfallen, schmutzig! Ja, das ist wahr. Aber im Alter und im Verfall hat sich die Schönheit ihre Würde bewahrt. …weiterlesen »
Rausch und Selbstüberschätzung
Jede Bushaltestelle, die ich fotografiere, gehört mir gewissermaßen, ich bin ihr (Er-)Finder. Ich habe die Patenschaft für sie übernommen. Ich bemühe mich, sie zu beschützen und sie zu ehren. Ich liebe sie, auch wenn / weil ich dafür ausgelacht werde oder meine Liebe zu ihnen als Spinnerei abgetan wird. Genau solch eine Liebe brauche ich. Es stärkt die Willenskraft, abgelehnt zu werden. Auf die nächste Bergspitze gelange ich nur mit hängender Zunge. …weiterlesen »
Das Urteil
Erst wenige Minuten gefahren seit der letzten Bushaltestelle, in Gedanken bin ich noch beim Dorfklatsch, da steht das nächste zu untersuchende Objekt am Straßenrand. Weil die Sonne blendet, täuscht der erste Eindruck. Und wie! Ich stehe da und staune. Welches Epos wird hier erzählt? Welche hohen Herren sind hier angetreten? Welcher Herrscher hält das Zepter, oder schwingt er die Keule? Wer sind die eifrigen Krieger mit den fröhlichen Bärten, welche die Versammlung von außen schützen? (28.07.2008, 09.22 Uhr) …weiterlesen »
Dorfklatsch
Am Straßenrand eine erste Bushaltestelle, auf der Stercke Kamminets-Podilsky-Chernivtsi. Das Motiv: Dorfklatsch in der Naturalwirtschaft. Ein schönes Thema! Sehr ergiebig. Ich kenne mich da aus. Man tauscht Gurken gegen Kohlen und trifft sich zum Schweineschlachten. „Hast du schon gehört, was der Erwin sich geleistet hat?“ „Es geschieht ihm recht, dass sie ihn endlich mal erwischt haben.“ „Seine Eltern sind zu bedauern.“ „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.“ (28.07.2008, 09.09 Uhr) …weiterlesen »
Und sie dreht sich doch!
Eine Bushaltestelle in Artschedinskaja im Wolga-Don-Becken. In Russland also. Eine Hoffnung aus Steinen bezeugt ihre Vergeblichkeit. Ein Favorit für sie den Schönheitspreis ist sie nicht. In alle Himmelsrichtungen wächst nur noch das Unkraut, und auch die Ernte verläuft nicht zur allgemeinen Zu- friedenheit. …weiterlesen »
Lesung 02.11.2008 Berliner Ensemble
So 02. 11. 11.00 Uhr BERLINER ENSEMBLE
BERLINER MANUSKRIPTE – Lesung und Diskussion mit den Stipendiaten des Berliner Arbeitsstipendiums für Autorinnen und Autoren der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten …weiterlesen »
Schönheiten
Drei Figuren an unterschiedlichen Orten in der Ukraine: Kolchosbauer und -bäuerin vor Dikanka, eine Schönheit vom Lande bei Dunaivtsy im Süden, und eine Bäuerin, die eine Garbe Getreide trägt wie Atlas die Erde, zwischen Vugledar und Pavlivka im Donbass.
Aus der Ferne wirken die Gesichter oft austauschbar, sie scheinen aus einer Form gegossen, so idealisiert wie Werbefiguren, von Individualität gereinigt. …weiterlesen »